Innenstadtentwicklung

Innenstädte in der Krise

Gemeindezentren und Innenstädte erleben nicht erst seit der Corona-Pandemie einen tiefgreifenden Wandel. Noch immer wird mancherorts vor allem an den Rändern geplant und gebaut, während die Ortskerne teilweise aussterben.

Die Konkurrenz zwischen digitalem und stationärem Handel setzt die herkömmlichen Geschäftsmodelle in der Innenstadt schon länger unter Druck. So mischt sich die problematische Entwicklung im Einzelhandel mit einem fehlenden Bewusstsein über gelungene Innenentwicklung. Die Corona-Krise beschleunigt nun den drohenden Attraktivitäts- und Funktionsverlust in Deutschlands kleinen und großen Zentren.

Private Eigentümer besser beteiligen

Private Eigentümer sind dabei der Schlüssel zum Bestand: 85 Prozent der Wohngebäude in Deutschland sind im Eigentum von Privatpersonen. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag erklärt, die Einbindung von privaten Eigentümern in der Stadtentwicklung zu stärken und eine bessere Beteiligung von Privaten an der Städtebauförderung erreichen zu wollen. Das ist eine der Schlüsselherausforderungen für die Stadtentwicklungspolitik in den Kommunen.

Bewirtschaftung von Innenstadtimmobilien prüfen

Die Eigentümer von Innenstadtimmobilien haben eine besondere Verantwortung in dieser Situation. Sie sind gefordert ihren Beitrag zu leisten, um den Attraktivitäts- und Funktionsverlust von Innenstädten und Zentren entgegenzuwirken. Dazu gehört es, die bisherigen Bewirtschaftungsstrategien auf den Prüfstand zu stellen und die Bereitschaft zu Veränderungen und Investitionen an den eigenen Immobilien zu entwickeln.

Kommune muss Voraussetzungen schaffen

Um individuelle Entscheidungen über Veränderungen und Investitionen zur Weiterentwicklung ihrer Immobilien zu treffen, brauchen Eigentümer verbindliche Konzepte und übergeordnete Zielbilder über die Zukunft der Stadt. Hier sind die Entscheider in den Kommunen gefragt, diese Konzepte und Zielbilder gemeinsam mit den handelnden Akteuren zu entwickeln. Dafür müssen sich die Kommunen auf eine personalund ressourcenintensive Aufgabe einstellen, um eine angemessene Information und Beteiligung sicherzustellen. Gleichermaßen müssen die privaten Eigentümer ihre Interessen und Expertisen aktiv in diesen Prozess einbringen.

Städtebauförderung kann Wandel unterstützen

Die Städtebauförderung ist als konjunkturelles und strukturelles Stabilisierungsprogramm für Städte und Gemeinden das zentrale Instrument, um in der Bewältigung dieser Krise Unterstützung von Bund und Land zu erlangen. Darüber hinaus stoßen die Mittel der Städtebauförderung ein Vielfaches an Investitionen von privaten Eigentümern in ihren Immobilien an. Ein Euro aus Städtebauförderungsmitteln löst zwischen sieben und acht Euro an weiteren privaten und öffentlichen Investitionen aus. Haus & Grund Deutschland setzt sich daher für eine Aufstockung der Städtebauförderung auf mindestens 1,5 Milliarden Euro ein.

Alle Stadtgebiete und Umland mitbetrachten

Der Fokus auf die Problemlage in den deutschen Innenstädten ist richtig, auch wenn vor einer einseitigen Zentrenförderung gewarnt sei. Wichtig ist, dass die Stadt nicht nur auf ihre eigentliche Innenstadt reduziert wird, sondern auch die Formen von Stadtteilzentren und Subzentren sowie das Umland in die Betrachtung eingeschlossen werden. Dabei kommt der Mobilität in der Stadt wieder einmal eine besondere Rolle zu. Städte und Gemeinden setzen bereits zunehmend auf eine integrierte Stadtentwicklungsund Verkehrspolitik, um die Mobilität bedarfsgerecht zu gestalten und die Lebens- und Umweltqualität zu verbessern. Viele Kommunen leiten ihre Verkehrskonzepte bereits auch aus den Zielen der Stadtentwicklung ab.

Matthias zu Eicken,
Referent Wohnung- und Stadtentwicklungspolitik
Haus & Grund Deutschland

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