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Wirtschaftlichkeit von Wärmedämmmaßnahmen 

Häufig taucht bei uns die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer solchen Wärmedämmmaßnahme auf. Grundsätzlich ist es überhaupt schwierig hier Angaben zu finden. Hat man sie dann gefunden, ist die Qualität der Aussagen schon auf den ersten Blick sehr fragwürdig. Ob solch mangelhafte Angaben auf fachliche Unkenntnis oder auf die Wahrung bestimmter Interessen beruhen, sei dahingestellt. Dass Hersteller, Lieferanten und ausführende Firmen solche Berechnungen beschönigen, ist nachzuvollziehen, dass öffentliche Stellen solche Zahlen beschönigen, gibt dann aber schon zu denken. Da wir nichts auch nur annähernd brauchbares finden konnten, haben wir selbst ein solches Kostenmodell aufgestellt, um hier einmal für Klarheit zu sorgen.

Grundlage hierfür soll ein Flachdach-Bungalow mit 105 m² Grundfläche sein. Der Bungalow ist unterkellert, der Keller ist nicht beheizt, die Kellerdecke und das Dach sind nach der gültigen Wärmeschutzverordnung gedämmt. Die Außenwand besteht aus einem 24 cm starken Kalksandsteinmauerwerk, beidseitig mit einem Kalkzementputz versehen. Wir haben für diesen Wandaufbau einen U-Wert von 1,79 W/m²k errechnet. Dies ist ein sehr schlechter Wert, für den Altbaubestand jedoch nicht ungewöhnlich. Je schlechter die Ausgangslage bei der Gebäudedämmung ist, umso größer ist der Einspareffekt und dadurch auch die Wirtschaftlichkeit. Der Bungalow hat einen Fensterflächenanteil von 36,4 m². Die Fenster haben mit einer 2-Scheiben Isolierverglasung einen U-Wert von 3,0 W/m²k. Dies ist ebenfalls ein schlechter Wert, aber im Bestand häufig anzutreffen. Es wird eine Heizöl-Zentralheizung mit einem 75 % Nutzungsgrad zu Grunde gelegt. Für unsere Berechnung gehen wir von einem Heizölpreis von 0,40 €/Liter Heizöl aus. Wir haben einen Flachdachbungalow in dieser Form gewählt, weil wir der Auffassung sind, dass sich hier am besten Parallelen zu anderen Gebäudetypen ableiten lassen.

 

Eine solche Berechnung ist abgesehen davon, dass das Gebäude nur fiktiv existiert, rein theoretisch. Ungeachtet davon, dass Theorie nicht gleich Praxis ist, ergeben sich in der Praxis unweigerlich mehr oder weniger starke Abweichungen durch gewisse Eventualitäten wie z. B. eine falsche Bestandsaufnahme oder mangelhafte Ausführung. Grundsätzlich ist natürlich jeder Gebäudetyp absolut individuell zu behandeln, so dass die errechneten Werte nur richtungsweisend zu verstehen sind.

 

Für das Wärmedämmverbundsystem haben wir bei den zu erwartenden Kosten einen evtl. erforderlichen Dachanschluss (bei nicht ausreichendem Dachüberstand) und eine evtl. erforderliche Gerüstgestellung (z.B. für Mehrfamilienhäuser) anteilig berücksichtigt. Für die Planung der Wärmedämmmaßnahmen wurde die Mindestanforderung für förderfähige Wärmeschutzmaßnahmen nach dem Land Bremen erfüllt und kostenmäßig berücksichtigt.

Keine Beachtung in unserer Berechnung schenken wir evtl. Renditen, Preissteigerungen, Darlehenszinsen, steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten etc., da sie auch sehr individuell bzw. gar nicht vorhersehbar sind. Die errechneten Summen haben wir zusätzlich in eine Prozentzahl gefasst, die dann richtungsweisend für ein Objekt Ihrer Wahl verwendet werden kann.

 

Unser Gebäude hat einen Jahresheizwärmebedarf von 22.875 kWh/a. Das bedeutet bei einer Heizöl-Zentralheizung mit einem 75 % Nutzungsgrad ca. 3000 l Öl und somit Kosten von ca. € 1.200 für Ölverbrauch pro Jahr.

Würden wir die vorhandenen Fenster gegen neue mit einem U-WERT von 1,1 W/m²k austauschen, erwarten uns Kosten inkl. Gerüst, Entsorgung, Lieferung und Montage von ca. € 14.500. Abzüglich einer möglichen Förderung von € 720 ergibt das einen Betrag von ca. € 13.780. Unser Gebäude hätte dann einen Jahresheizwärmebedarf von 18.307 kWh/a. Das bedeutet ca. 2400 l Öl und somit ca. € 960 Kosten für Ölverbrauch. So hätten wir eine jährliche Ersparnis der Heizkosten von ca. € 240 oder anders ausgedrückt von ca. 20 %. Wir würden ca. 57,5 Jahre benötigen, bis sich die Kosten der Fenster relativiert hätten. Gehen wir davon aus, dass die alten Fenster einen neuen Anstrich benötigen würden, könnten wir noch einmal ca. € 1.700 abziehen. Das wiederum würde bedeuten, dass sich die Kosten der neuen Fenster auf ca. € 12.080 belaufen würden und sich somit in ca. 50,5 Jahren relativiert hätten. Das ist natürlich ein sehr ernüchterndes Ergebnis, gerade weil so oft behauptet wird, neue Fenster würden sich innerhalb weniger Jahre bezahlt machen. Anders betrachtet werden die Wenigsten intakte Fenster tauschen. In der Regel erfolgt ein Austausch, weil die alten Fenster ihren Dienst getan haben und somit neue Fenster nötig sind. Dem hinzuzufügen wäre, dass bei einer Außenwand mit einem schlechten U-Wert das Tauschen der Fenster nicht ganz unproblematisch ist. In der Regel ist es so, dass die Fenster im Altbaubestand der kälteste Punkt der Außenwand sind. Setzt sich hier Kondensfeuchte ab, was fast in allen Fällen auf ein falsches Heiz- und Lüftungsverhalten der Bewohner schließen lässt, ist dies noch relativ unbedeutend. Die Feuchte ist ein deutlich sichtbarer Hinweis auf der Scheibe und zeigt an, dass hier etwas unternommen werden muss. Erfolgt dies nicht, entsteht meistens nur Schimmel an den Versiegelungen. Ist das Fenster jetzt wärmer als die Wand, setzt sich das Kondensat an der Wand ab. Hier wird die Feuchtigkeit oft erst erkannt, wenn sie sich als Schimmel bemerkbar macht. Weil der standardmäßige Wärmeschutz der Verglasungen immer höher wird, ist dieser Problematik zunehmend Aufmerksamkeit zu widmen.

Um wieder auf unser Kostenmodell zurückzukommen, gehen wir jetzt einmal auf die Dämmung der Außenwände ein. Wenn wir die vorhandenen Außenwände mit einem 12 cm starken Wärmedämmverbundsystem (WLG 040) verkleiden, bekommen wir einen neuen U-WERT von 0,28 W/m²k für die Außenwände. Die Kosten belaufen sich inkl. Gerüst, Lieferung und Montage auf ca. € 10.500. Abzüglich einer möglichen Förderung von € 1.615 ergibt das einen Betrag von ca. € 8.885. Unser Gebäude hätte dann einen Jahresheizwärmebedarf von 12.048 kWh/a. Das bedeutet ca. 1600 l Öl und somit ca. € 640 Kosten für Ölverbrauch. Wir hätten eine jährliche Ersparnis der Heizkosten von ca. € 560 oder anders ausgedrückt von ca. 47 %. Wir würden ca. 16 Jahre benötigen, bis sich die Kosten des Wärmedämmverbundsystems relativiert hätten. Gehen wir davon aus, dass das Haus einen neuen Anstrich benötigen würde, könnten wir noch einmal ca. € 1.950 abziehen. Das wiederum würde bedeuten, dass sich die Kosten des Wärmedämmverbundsystems auf ca. € 6.935 belaufen würden und sich somit in ca. 12,5 Jahren relativiert hätten. Auch hier kann man wohl nicht, wie allzu gern behauptet, von wenigen Jahren sprechen, aber wir haben schon einmal eine Relativierungszeit, die einen wirtschaftlichen Nutzen greifbar macht. Nach ca. 12,5 Jahren hätten wir dann natürlich auch ein nicht zu verachtendes Einsparpotenzial mit einer Rendite von über 8%. Bezogen auf Vermeidung von Schimmelbildung ist eine Dämmmaßnahme eine sehr hilfreiche Unterstützung, jedoch keinesfalls ein Allheilmittel, da Schimmelbildung in erster Linie auf ein falsches Wohnverhalten zurückzuführen ist. Am Rande möchten wir noch bemerken, dass es auf dem Gebiet der Dämmung einen Keramik-Anstrich gibt, der nur ca. ein Drittel der Kosten eines Wärmedämmverbundsystems verursacht. Dieser Anstrich soll laut Importeur gleiche Werte wie eine Dämmung von 12 cm bieten. Es liegt in Deutschland jedoch keine amtliche Prüfung dieses Anstriches vor. Die Ursache hierfür ist, dass ein dementsprechender Baustoff zur amtlichen Prüfung eine Mindeststärke benötigt, die der Anstrich nicht erreicht. Grundsätzlich ist dies mal wieder ein trauriges Beispiel deutscher Bürokratie und für uns leider ein Grund, dass wir uns von einer Empfehlung zu einer solchen Ausführung ausdrücklich distanzieren müssen. Sollte dieser Anstrich jedoch annähernd halten was der Importeur verspricht, wäre er eine sehr attraktive Alternative.

 

Verbinden wir die beiden Dämmmaßnahmen miteinander, hätten wir einen Jahresheizwärmebedarf von 7.482 kWh/a. Die Kosten der Baumaßnahme würden dann abzüglich der möglichen Förderung ca. € 21.665 betragen. Das bedeutet ca. 1000 l Öl und somit ca. € 400 Kosten für Ölverbrauch. Wir hätten eine jährliche Ersparnis der Heizkosten von ca. € 800 oder anders ausgedrückt von ca. 67 %. Wir würden ca. 27 Jahre benötigen, bis sich die Kosten der Wärmedämmung relativiert hätten. Gehen wir davon aus, dass das Haus einen neuen Anstrich (Außenwände und Fenster) benötigen würde, könnten wir noch einmal ca. € 2.650 abziehen. Das wiederum würde bedeuten, dass sich die Kosten der Baumaßnahme auf ca. € 19.015 belaufen würden und sich somit in ca. 24 Jahren relativiert hätten. Eine solche Gesamtmaßnahme ist zu empfehlen. Einerseits aus bauphysikalischer Sicht und andererseits, weil sie in Einzelschritten höhere Kosten verursacht, wenn die Fenster nachträglich in ein bestehendes Wärmedämmverbundsystem eingebaut werden.

 

Bei Überlegungen hinsichtlich solcher Wärmeschutzmaßnahmen, sollte auf jeden Fall bedacht werden, dass sich die gesetzlichen Vorschriften zur Auferlegung solcher Maßnahmen zunehmend erweitern. Wie lange solche Maßnahmen noch subventioniert werden, ist nach momentan wirtschaftlicher Lage fraglich und dass die Energiekosten steigen werden, ist vorhersehbar. Gerade unter Berücksichtigung dieser Überlegungen gilt: „Wer früh sät, wird früh ernten!“.

 

Die sich stetig verschlechternden Umweltbedingungen sollten natürlich auch ein Grund sein, die eigene Immobilie energieeinsparenden Maßnahmen zu unterziehen. Nicht nur um unsere beschränkten Vorräte an fossilen Energierohstoffen zu schonen, sondern auch um eine CO2-Reduzierung zu unterstützen. Wissenschaftlich in Zahlen gefasst bedeutet das, dass wir bei einer Einsparung von 2.000 Litern Heizöl den CO2-Ausstoß um ca. 5.200 KG reduzieren. Etwas einfacher bedeutet das, dass sich die Umweltbelastungen, parallel zu den bereits berechneten Kosteneinsparungen, prozentual mindern.

 

Jetzt aber wieder zu einem besser greifbaren Vorteil. Ein gut gedämmtes Haus schafft einiges an Wohnkomfort. Betrachten wir einen schlecht gedämmten Raum, stellen wir fest, dass wir im Winter die Heizung als eine deutlich wärmestrahlende Quelle wahrnehmen. Befinden wir uns im Bereich einer Außenwand oder eines Fensters, ist ein deutlicher Temperaturabfall zu spüren. Hier kann man förmlich von einer Art Zug sprechen. Ursache ist die physikalische Grundeigenschaft der Stoffe, sich miteinander zu vermischen und so für ein Gleichgewicht zu sorgen. In diesem Fall strömt die Wärme in Richtung kälterer Bereiche. Umso größer die Temperaturunterschiede sind, umso stärker ist dieser Effekt. Die Außenwände, die mit zunehmender Masse ein guter Wärmespeicher wären, können diese Wärme nicht halten, da sie einfach nur hindurchströmt. Bei einer gedämmten Außenwand sieht das ganz anders aus. Die Wärme wird an der Außenseite der Wand durch die Dämmung gebremst und staut sich somit im Mauerwerk. Man nimmt bei gleichmäßig durchgehender Beheizung, wie es auch grundsätzlich zu empfehlen ist, keine punktuelle Wärmequelle mehr wahr. Da das Temperaturgefälle zwischen Raumluft und Wand wesentlich geringer ausfällt, entsteht hier auch kein spürbarer Wärmestrom mehr. Wenn wir die warme Raumluft im Winter gegen kalte Außenluft tauschen (ca. 10-15 Minuten Stoßlüftung), wird sich die kalte Luft in etwa derselben Zeit wieder auf die annähernd vorherige Temperatur aufheizen. Dies geschieht einfach nur durch die wärmespeichernden Wände, die eine schnelle Auskühlung nicht mehr zulassen.

 

Im Sommer verzögert eine Dämmung das Aufheizen des Hauses. Betreffend der Fenster gibt es hier Scheiben, die einen Schutz vor Erwärmung des Hauses durch Sonneneinwirkung bieten.

 

Dipl. Ing. Karsten Lücke, Haus & Grund Bremen GmbH.

 

 

Freitag, 30.07.2010
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