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Haus & Grund Landesverband Bremen e.V. - Informationen für Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer
 
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Ortsvereine   Bremen   Die Chronik des Vereins  

Vereinsgeschichte des Haus & Grund Bremen e.V.

von der Gründungsphase 1898 bis 1922

 

Am 14.4.1898 herrschte in Bremen in der Gaststätte "Zur Nelke" in der Nelkenstraße vermutlich eine der Situation angemessene ernste Stimmung. Etwa "dreißig Herren aus allen Stadtteilen Bremens" trafen sich zur Gründung eines Vereins, um, wie die Bremer Nachrichten einige Tage später schreibt, "Einwohner, die Wohnungen, Häuser oder sonstige Räumlichkeiten vermieten und sich dem Verein als Mitglieder anschließen, vor Schaden zu bewahren, der aus Mietverträgen u.s.w. entstehen kann". Dieser Verein erhielt zunächst den Namen "Hauseigentümerverein" und hatte das Ziel, sich "über ganz Bremen" zu erstrecken. Selbstverständlich wünschte man, dass sämtliche Hausbesitzer Bremens dem Verein beitreten würden.

Der Mitgliedsbeitrag betrug 1 Mark pro Jahr! Auf der Versammlung am 11.5.1898 wurde in Gegenwart eines Rechtsanwaltes die Satzung beschlossen. Zum Vorsitzenden wurde Arnold Garde, zum Stellvertreter Emil Aschenbach und zum Schriftführer der Häusermakler Wilhelm Kuhne gewählt. 250 Mitglieder zählte der junge Verein. Das Eintrittsgeld betrug 0,50 Mark. Die erste reguläre Generalversammlung fand am 23.6.1898 in der Jacobi-Halle statt.

Das Vereinsorgan war der Bremische Wohnungs-Anzeiger. Im November 1898 wurde zwischen dem Verein und der Firma Landmann und Co. ein Vertrag über Verlag und Redaktion des Vereinsorgans abgeschlossen. Redaktion, Anzeigenannahme und Vertrieb befanden sich ab 1899 in der Langenstraße 104. Seit der Jahrhundertwende trug die Zeitung den Namen Bremische Grundbesitzerzeitung, dann Grundeigenthümer-Zeitung, in den 30er Jahren Bremische Hausbesitzer - Zeitung.

 

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in vielen Städten vergleichbare Vereinsgründungen (u.a. in Bremerhaven, Potsdam, Liegnitz, Gera, Freiberg in Schlesien, Speyer und Königsberg).

Bereits 1832 wurde in Hamburg der Verein von Grundeigentümern gegründet. 1893 wurde in Hannover der Bürgerverein in den Haus- und Grundbesitzerverein umgewandelt. Die verschiedenen örtlichen Vereine verschafften sich mit der Gründung eines "Centralverbandes der Haus- und städtischen Grundbesitzer-Vereine Deutschlands" ein gemeinsames Forum, dem der bremische Verein seit der Jahrhundertwende ebenfalls angehörte.

 

Der Vorsitzende des bremischen Vereins, Aschenbach, beriet sich in der Gründungsphase mit dem Verein in Hannover. Auch in Bremen sollten eine kostenlose Rechtsberatung durchgeführt und Schutzlisten für säumige Zahler aufgestellt werden.

 

Eine Rechtsberatung für Mitglieder war spätestens mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zum 1.1.1900 dringend notwendig. Das Mietrecht wurde im Gesetz neu festgeschrieben. Die Bremer Nachrichten veröffentlichten im Vorfeld mehrere Artikel über die Rechte und Pflichten von Vermietern und Mietern, sowie über den "neuen Mietvertrag" (26.929.9.1899). Selbst Juristen hatten mit der Auslegung der Vorschriften Probleme, wie eine Replik in den Bremer Nachrichten vom 8.10.1899 zeigt: die "Erleuchtungssteuer (einschließlich Pflastersteuer)" und die "Wasser- und Canalsteuer" seien nicht vom Vermieter zu tragen - wie ein Jurist jüngst in der Zeitung behauptet habe -, sondern sie würden auch nach Inkrafttreten des BGB vom Generalsteueramt direkt vom Mieter eingezogen.

 

In dieser Zeit entstand der Vorläufer des heutigen Einheitsmietvertrages. In Zweifelsfällen konnte der Vermieter auf die Mietvertragsvordrucke des Haus- und Grundbesitzervereins zurückgreifen. Bereits am 8.11.1898 beschloss der Verein, einen "für die Mitglieder maßgebenden Mietvertrag" durch den Vorstand ausarbeiten zu lassen. Die Druckerei Schünemann bot die neuen Mietverträge zum Preis von 10 Pfennig an. Der Centralverband der städtischen Haus- und Grundbesitzer-Vereine Deutschlands beschloss 1899, die juristische Kommission mit der Ausarbeitung eines "Normal-Mietvertrages" zu beauftragen. Selbst über günstige Verkaufsbedingungen dachte der Bremer Verein nach: 1925 sollten Einheitsmietverträge in "geeigneten Ladengeschäften" zum Preis von "30 Pfennigen pro Paar" verkauft werden. Besonderer Anreiz für den Verkäufer: die Provision sollte 5 Pfennig für zwei Verträge betragen!

 

Der Verein hatte bereits in den Anfängen gut besuchte Mitgliederversammlungen. Ende des Jahrhunderts nahmen um die 250 Mitglieder, 1920 - z.B. im großen Saal der Gesellschaft Museum - ca. 550 Mitglieder an Versammlungen teil. Der Vorstand umfasste mittlerweile 12 Mitglieder. Erster Vorsitzender war Friedrich Nienstädt und sein Stellvertreter Dr. jur. Hermann Boelen. Ab 1922 war August Wilhem Schucht stellvertretender Vorsitzender.

 

Erst 1920 wurde als Interessenvertretung der Mieter der Mieterbund Bremen gegründet, der seit 1924 dem Reichsbund Deutscher Mieter angehörte.

 

Seit 1923 gab es in Bremen den Landesverband Bremer Hausbesitzervereine, der seinen Sitz zunächst in der Hutfilterstraße 9-13 hatte.

 

Karl Lerbs über die Bremer Hausbesitzer:

 

"Der Bremer besitzt ein Einfamilienhaus mit einem wohlgeordneten blumenbunten Ziergarten davor und einem ertragreichen Obstgarten, dessen Ernte in Weckgläsern eingemacht wird, dahinter. Er hat eine ausgeprägte Freude an Erwerb und Besitz und liebt es nicht, sich den Genuss dieser Güter durch die berechtigten Lebensäußerungen allzu nahe gerückter Mitmenschen stören zu lassen. Infolgedessen hat er seine Stadt auf eine erstaunlich große Grundfläche gebaut und sie mit wunderschönen, das Auge erfreuenden und die Gesundheit fördernden Grünanlagen durchflochten und umgeben." (Karl Lerbs, Der lachende Roland, Bremen 1978, S. 5)

 

Private Haus- und Grundeigentümer gestalten ihre Stadt

 

Stadtentwicklung in Bremen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts

 

Bremen ging bis 1900 andere Wege in der Stadtentwicklung als andere Städte. Lange Zeit gab es keine Vorschriften über Straßenbreite und Erschließungsart. Erst ab 1909 bildeten umfassende Bebauungspläne und Staffelbauordnungen den Rahmen für eine geordnete Stadtentwicklung. Bis dahin beschloss der Senat einzelne Planstraßen und überließ den privaten Bauherren, wie die übrigen Straßen beschaffen sein sollten. Jetzt wurde auch nach Wohn-, Fabrik- oder Geschäftsviertel unterschieden.

 

Das Stadtbild Bremens formte sich überwiegend im 19. Jahrhundert. Bis zur Mitte des Jahrhunderts gab es wenige staatliche Bauleitlinien. So sah die Bauordnung von 1847 lediglich die Errichtung von Wohngebäuden an befahrbaren Straßen vor. Die Straßenpflasterung und die Anlage von Fußwegen mussten die Bauherrn allerdings selber finanzieren. 1852 legte Alexander Schröder mit seinem Ringstraßensystem die Struktur der Vorstädte fest. Der von Schröder entworfene Stadtentwicklungsplan wurde in den 1870er Jahren überarbeitet und von Senat und Bürgerschaft angenommen. Geplant war eine äußere Ringstraße für die rechte Weserseite, die u. a. bereits den "Stern" als Verkehrsknotenpunkt im Bürgerparkbereich vorsah. Innerhalb des Ringsystems verlaufen die Straßen zum Teil spitzwinkelig. Links der Weser war in der Buntentorsvorstadt ein schematisches Gitternetz von Straßen vorgesehen, das allerdings eine Anbindung an die vorhandenen Weserbrücken schon damals nicht entsprechend berücksichtigte.

 

Vorherrschend war in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bebauung mit kleinen Wohnhäusern. Jährlich wurden 500 Wohngebäude in Bremen erbaut. In der westlichen Vorstadt entstanden zunehmend zwei- und dreistöckige Gebäude. 30 % der Einwohner bewohnten ein eigenes Haus. Aber im Gegensatz zu anderen Städten wohnten im Durchschnitt nur wenige Menschen in den Häusern. Um 1900 wurden ca. 7,6 Bewohner je Wohnhaus gezählt, in Berlin waren es etwa 50 Bewohner, denn es überwogen die großen Mietshäuser.

 

Mit dem Aufbau größerer Industrieanlagen entstanden Werkswohnungen, so z.B. ab 1887 für die Blumenthaler Wollkämmerei und die Jutespinnerei. 1887 wurde ein "Gemeinnütziger Bremer Bauverein" gegründet, der in erster Linie Wohnraum für die ökonomisch schwachen Familien der Stadt bereitstellen sollte.

 

Einen finanziellen Anreiz stellten die Handfesten dar. Das waren Zahlungsverpflichtungen (4-5% Zinssatz), zu deren Sicherheit die Grundstücke dienten. Auf diese Weise waren die Eigentümer in die Lage versetzt, die Gebäude mit einer geringen Anzahlung zu erwerben. Ferner konnte mit dieser Besonderheit des bremischen Grundpfandrechtes Vermögen sicher in Grundstücken und Häusern angelegt werden. Alle Bürger dieser Stadt konnten die Vorteile der Handfesten für den Erwerb von Grundeigentum und Wohnungsbau nutzen, vor allem die der Mittel- und Unterschichten.

 

Altstadt und Wallanlagen

 

Die Wallanlagen bilden bis heute ein strukturierendes Element für Altstadt. Die um den Altstadtkern verlaufenden Wallanlagen waren Bestandteile eines Befestigungsringes, der zwischen 1602 und 1659 angelegt wurde. Der niederländische Ingenieur Valckenburgh entwarf das Festungswerk mit Wällen (Escarpe), vorspringenden Bastionen und Gräben. Auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtgrabens entstand die so genannte "Contre-Escarpe". Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden an den Wallanlagen prunkvolle Villen und großbürgerliche Reihenhäuser errichtet, zunächst noch dem Vorbild Schinkels entsprechende Gebäude der so genannten Berliner - antiken Richtung, dann ab Ende des Jahrhunderts im Stil der nordischen Neorenaissance.

 

In der frühen Gründerzeit wandelte sich die mittelalterliche Altstadt in ein Geschäftszentrum. Alte Villen mussten modernen mehrgeschossigen Wohn- und Verwaltungsgebäuden weichen.

 

Um die Jahrhundertwende:

 

Zwei ältere Herren - Hausbesitzer in der Vorstadt - gehen gemeinsam nach einem Festessen, die Brasil behaglich im Mundwinkel, jene sachte Anhöhe am Stadttheater hinunter, die der Bremer mit überschwenglicher Selbstironie `Theaterberg' nennt. Die Fama verzeichnet folgende Kritik, die der eine von ihnen gemütlich wiederkäuend, aber mit erbarmungsloser Richtermiene von sich gab:

"Essen - war dscha gut; will ich nix gegen sagen. Weine - waren dscha tadellos. Aber daß er uns zu'n Käse den 78er Latour gibt, wo ich doch ganz genau weiß, daß er den 81er Lafitte in'n Keller hat - nu bitt ich Sie , was soll das?!" (aus: Karl Lerbs Die besten bremischen Anekdoten, Bremen 1993, S. 123).

 

Die Vorstädte

 

Zweidrittel aller Einwohnerinnen und Einwohner lebten gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Vorstädten. Es waren überwiegend kleine Kaufleute und Handwerker. 1848 gab es in den Vorstädten 3100 bewohnte Häuser, davon 90 % Einfamilienhäuser, davon allein in der östlichen Vorstadt 1.457. Im Jahr 1875 war die Anzahl der Häuser in der östlichen Vorstadt bereits auf fast 4.100 gestiegen. Das Stadtbild war durch Ein- und Zweifamilienhäuser geprägt. 1885 waren 85,2 % aller Häuser Ein- und Zweifamilienhäuser. Bremen ist immer noch die Stadt der Ein- und Zweifamilienhäuser: Im Jahr 1996 sind 74 % aller Häuser in Bremen Ein- und Zweifamilienhäuser, in Berlin sind es dagegen nur 48 % und in Hamburg sogar nur 34 %.

 

Der mit den Gründerjahren einsetzende Bauboom ebbte 1874/75 wieder ab. und führte zum ersten großen Zusammenbruch in der Bauwirtschaft: 1200 Wohnungen fanden keine Abnehmer und mussten versteigert werden. Konsequenz aus dieser Krise war eine ab 1.1.1884 in kraft tretende Bauordnung. Jetzt musste eine Baugenehmigung für jedes Bauwerk beantragt werden. Die neuen Richtlinien legten erstmals fest: die Fluchtlinien, Einfriedungen mit Steinsockeln, Höhe der Häuser, Zimmerdeckenhöhe von mindestens 2,50 Metern und je ein Abort pro Wohnung.

 

Das Bremer Haus

 

Das Bremer Haus gibt auch heute noch der Stadt ein unverwechselbares Aussehen. Im 19. Jahrhundert gebaut, mal großbürgerlich, mal etwas bescheidener in der Ausstattung und Größe, ist es eine "Urbremer Spezialität". Der kleine Vorgarten, der Treppenaufgang, die Windfangtür, die sich anschließenden hohen Räume, durch Schiebetüren getrennt, dahinter der Wintergarten, die Decken mit Stuckverzierungen, alle Bremer Häuser sind nach einem einheitlichen Vorbildern gebaut. Das Haus wurde seinen Funktionen entsprechend konzipiert: im Souterrain sind die Wirtschaftsräume (Küche und Dienstboten-/ Lieferanteneingang), die beiden darüber liegenden Geschosse sind die Wohnräume der Familie. Zunehmend verloren jedoch die einst überwiegend den Bedürfnissen ihrer Bewohner angepassten Bremer Häuser ihre Individualität. Bei den Außen - wie Innendekorationen wich der Sandstein dem Steingut und die Steinmetzarbeit den serienmäßig angefertigten Gesimsen, Säulen, Ornamenten und anderen Fassadenteilen.

 

Um die Gleichförmigkeit der Reihenhäuser zu durchbrechen, wurde 1897 durch den Kaufmann Eugen Kulenkamp eine Stiftung gegründet. Ziel der Stiftung war die Errichtung von Einfamilienhäusern, die den räumlichen Bedürfnissen von Arbeiterfamilien entgegenkommen und ein abwechslungsreiches Fassadenbild bieten sollten (Henriettenstraße, Achimer Straße).

 

Dem Bremer Haus ähnlich wurden die Fassaden der Häuser in der Grünberg-, Winter- und Borgfelderstraße in Findorff gestaltet. Hier errichtete der Eisenbahn Spar- und Bauverein zwischen 1906 und 1926 Reihenhäuser als Mietobjekte. Eigenheime schienen ungeeignet, denn Eisenbahner sollten ortsungebunden sein.

 

Der Preis für ein einfaches einstöckiges Einfamilienhaus in Bremen betrug zu Ende des Jahrhunderts 4.000 Mark (Handwerkerlohn p. a. durchschnittlich 800 Mark). Ein Bremer Haus kostete mindestens 10.000 Mark. Die Belastungen durch die Handfesten betrugen bei einem Zinssatz von 4,5 % zwischen 180 und 450 Mark jährlich. An Mietzins musste in einem einfachen Haus 150 bis 200 Mark jährlich gezahlt werden.

 

Als sich im April 1898 der bremische Haus- und Grundbesitzerverein gründete, war gerade ein neuer Bebauungsplan für das Parkviertel in Vorbereitung, der 1899 in Kraft trat. Eine geschlossene Bebauung wurde möglich, weil nach Eröffnung des Hauptbahnhofes (1889) ein zusammenhängendes Gebiet von einer Grundstücksgesellschaft aufgekauft wurde. Im Gegensatz zur schachbrettartigen Straßenführung in der Buntentorsvorstadt und im Steintor verlaufen die Straßen im Parkviertel spitzwinkelig oder gebogen. Das Gelände wurde überwiegend mit Reihenhäusern vom Typ Bremer Haus bebaut.

Freitag, 10.09.2010
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JPG Chronik Abbildung 1
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