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Gekrabbel an der Wand

Wenn Wände lebendig werden und sich winzige, 1 - 2 mm große Insekten in großer Anzahl auf der Tapete einfinden, deutet das auf einen Staublausbefall hin. Vor allem auf feuchten Wänden mit Ansatz von Schimmelbildung kann es zu einer Massenvermehrung kommen.

Allein der Name mag bei manch einem Juckreiz auslösen, doch das ist völlig unbegründet, denn mit den echten Läusen haben diese Tiere nichts zu tun. Staubläuse sind zarte Insekten, die auf eine hohe Luftfeuchtigkeit in ihrer Umgebung angewiesen sind. Sie kommen daher nur in feuchten Räumen vor und ernähren sich vor allem von Schimmelpilzen und Algen.

 

Damit sind sie geradezu nützlich. Nur ihre Vorliebe für feucht gewordene Materialien, die Stärke enthalten, wie Vorräte oder gestärkte Wäsche, kann sie auch zum Schädling in der Küche oder im Kleiderschrank werden lassen. In feuchten Büchern lebt ein naher Verwandter der Staublaus: die Bücherlaus.

 

So unangenehm das Gekrabbel an der Wand auch ist: Staubläuse sind harmlos, und die Schäden, die sie verursachen, halten sich in Grenzen. Viel bedenklicher als die Staubläuse selbst ist die Tatsache, dass ihr Auftreten auf ein ungesundes Raumklima hinweist, selbst wenn der Schimmel an den Wänden noch nicht sichtbar ist. Hier muss dringend für Abhilfe gesorgt werden.

 

Die Ursachen für die erhöhte Feuchtigkeit in den Räumen können vielfältig sein. So kommen beispielsweise bauliche Mängel in Frage, mangelndes oder falsches Lüften der Räume oder ein Nutzungsverhalten, das für hohe Luftfeuchtigkeit sorgt, wie z. B. das Trocknen von Wäsche im Zimmer. Auch Neubauten, die noch nicht hinreichend ausgetrocknet sind, werden gern von Staubläusen befallen.

In modernen Gebäuden mit guter Wärmedämmung und dicht schließenden Fenstern kommt dem richtigen Lüftungs-Verhalten eine besondere Bedeutung zu. Richtiges Lüften bedeutet: oft, kurz und kräftig. Es geht dabei darum, die feuchtigkeitsbeladene Raumluft möglichst schnell gegen kühle Außenluft auszutauschen, ohne dass die Wände des Raumes abkühlen. Die eingeströmte Luft soll sich schnell erwärmen, wobei sie Feuchtigkeit aufnimmt. Grundsätzlich falsch ist also Dauerlüften bei gekipptem Fenster. Richtig ist es dagegen, Wohnräume möglichst drei- bis viermal am Tag über weit geöffnete Fenster oder noch besser über Durchzug zu lüften. Dieses Stoßlüften besser sollte je nach Jahreszeit und Temperatur fünf bis 15 Minuten lang dauern. Noch effektiver ist es, Räume quer zu belüften, indem "auf Durchzug gestellt wird". Bei dieser Querbelüftung reichen bereits 1 - 5 Minuten für einen Luftaustausch.

 

Fazit: nicht die Staubläuse selbst sind das Problem und müssen bekämpft werden, sondern die Feuchtigkeit in den Wohnräumen. Gelingt dies, so verschwinden auch die Staubläuse von selbst.

 

Weitere Informationen zu Staubläusen und anderen Schädlingen im Haus erhalten Sie Montags, Mittwochs und Donnerstags in der Zeit von 10:00 bis 16:00 Uhr beim Verein für Umwelt- und Arbeitsschutz e. V. (VUA), Faulenstr. 31, unter der Telefonnummer 70 22 03. Dort können Sie unbekannte "Untermieter" auch identifizieren lassen. Sie erhalten Auskunft über die Art der Tiere und über giftfreie Bekämpfungsmöglichkeiten.

 

Michael Ruhnau,

Dipl.-Biologe,

VUA

 

Freitag, 30.07.2010
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