Von der Dusche bis zur Weser
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Haus & Grund Mitglieder auf Abwassertour mit hanseWasser
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Die erste Station unserer Abwassertour führte uns zum Hauptpump- werk in Findorff. Hier begrüßten uns Frau Kühne, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, und Herr Großöhme, Biologe, von hanseWasser, die uns anhand von Schaubildern in das Reich des Abwassers führten. Untermalt wurde das durch einen sehr lehrreichen Film.

Jeder Mensch verbraucht täglich fast 130 l Wasser. Der größte Teil davon wird für Dusche und Toilette, nur ca. 5 l werden zum Kochen verbraucht. Das Abwasser aus Bädern und Küchen läuft dann durch die Hausanschlüsse in die öffentliche Kanalisation. Hier kommt dann alles zusammen: Verbrauchs- wasser aus den Haushalten, Schmutzwasser aus Industrie und Gewerbe und natürlich das Regenwasser. Alle Abwässer haben ein Ziel: eine der beiden Kläranlagen in Bremen-Seehausen (hier sitzt die technische Leitstelle) oder in Bremen-Farge, deren Besuch am Ende unserer Abwassertour auf dem Programm stand.
In Bremen sind ca. 230.000 Haushalte am öffentlichen Kanalnetz angeschlossen, das 2.300 km umfaßt. Die durchschnittliche Größe eines Kanals variiert zwischen 70 und 300 cm. Ungefähr 300 km dieses Kanalnetzes sind begehbar. Jeder Kanal wird ca. alle 18-24 Monate gereinigt. Es gibt Mischsysteme, hier kommen Schmutz- und Regenwasser in einen Kanal und Trennsysteme (in Neubaugebieten), also für Schmutz- und für Regenwasser je ein Kanal.
Ein alter stillgelegter Kanal unter dem Pumpwerk Findorff ist für Besucher begehbar. Ungeklärte Abwässer und Ratten gibt es hier zwar nicht, aber wir bekamen ein Gefühl von „dem dritten Mann“, jeder kennt wohl diesen Film.
Im Stadtgebiet Bremen gibt es 130 Pumpwerke. Ihnen kommt eine besondere Rolle zu, denn Bremen ist nun mal sehr flach und die wenigen Erhebungen führen auch noch von der Weser weg. Unermüdlich heben die Pumpen das Abwasser mit Druck über den Höhenunterschied und sorgen somit für ein künstliches Gefälle. Die Direktbeförderung zu den Kläranlagen übernehmen 3 Hauptpumpwerke.
In dem unter Denkmalschutz stehenden Hauptpumpwerk Findorff informierten wir uns auch über den Ursprung der Stadtentwässerung. Anhand von Schaubildern und Ausstellungsstücken wurde vorgeführt, wie es früher war. Im Mittelalter entleerten die Menschen ihre Nachttöpfe z.B. einfach auf die Straße oder die Aborte waren an den Häusern direkt über Rinnen und Flüssen angebracht, in die direkt entsorgt wurde. Dies stank nicht nur zum Himmel, es wurde auch das Grundwasser verseucht und die Menschen ankrankten an der Pest und Cholera. In Bremen wurde 1903 der Einbau von WC’s vorgeschrieben.
Die nächste Station war das Klärwerk Farge direkt an der Weser. Von der Ankunft des Abwassers bis zur Einleitung des gereinigten Abwassers in die Weser vergehen 60 Stunden. Mit der mechanischen Reinigung erfolgt die Entfernung der Feststoffe. Dann folgt in mehreren Abschnitten die biologische Reinigung mit Mikroorganismen und Sauerstoff. Das gereinigte Wassser wird dann der Weser zugeführt. Übrig bleibt Schlamm aus der Nachklärung, der in die Faultürme gepumpt wird. Hier bauen andere Bakterien organische Substanzen ab, wobei Faulgas mit Methan entsteht. Dieses Faulgas kommt in den Gasspeicher und wird zum Antrieb von Gasmotoren im Blockheizkraftwerk gleich nebenan benutzt, um Strom und Wärme zu erzeugen.
Zum Schluss noch ein ganz große Bitte an alle Leser dieses Artikels: werfen Sie nie Wattestäbchen in die Toilette (unvorstellbar, dass das überhaupt gemacht wird)! Jede Kläranlage in Deutschland hat damit zu kämpfen. Hunderttausende von diesen Stäbchen kommen in den Kläranlagen an, rutschen durch jedes Sieb und müssen kostspielig entfernt werden! |