Schimmelpilze in Wohnräumen
von Dipl.-Ing. Karsten Lücke, Haus & Grund Bremen e.V.
Schimmelpilze und Schimmelpilzsporen sind ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt. In freier Natur kennen wir in Europa weit über 100.000 verschiedene Arten. Hiervon treten ca. 200 bevorzugt in Wohnräumen auf. Schimmelpilzsporen findet man auch ohne sichtbaren Befall in fast allen Wohnräumen. Sichtbar werden diese Pilzsporen erst bei Keimung, wenn sich die Pilzgeflechte bilden. Für die Keimung benötigen die Pilzsporen über einen gewissen Zeitraum ausreichend Feuchtigkeit (weniger als 7 Tage, wobei es schon ausreicht, wenn sie nur jeweils den halben Tag mit Feuchtigkeit versorgt werden) und Temperatur (ca. im Bereich von 0°-50°C) sowie Nährstoffe (Hausstaub, Papiertapeten, Dispersionsfarben, Tapetenkleister, Bindemittel, Holz etc.), auf die sie in allen herkömmlichen Wohnräumen treffen.
Schimmelpilze sind einerseits mehr oder weniger gesundheitsschädlich, andererseits mindern sie den Wert der befallenen Immobilie. Für Betroffene stellt sich dann die Frage nach der Ursache und was zu tun ist, um den Pilzbefall zu stoppen. Grundsätzlich ist Pilzbefall ein deutlicher Indikator dafür, dass zuviel Feuchtigkeit in dem betreffenden Wohnraum vorhanden ist. Ursächlich hierfür kann ein baulicher Mangel oder ein nutzungsbedingter Faktor sein. Häufig ergänzen sich auch beide Ursachen in unterschiedlicher Gewichtung.
Ein baulicher Mangel wäre z.B. eine Wärmebrücke oder das Eindringen von äußerer Feuchtigkeit. Eine Wärmebrücke ist ein Außenbauteil, das von seinen Ausmaßen her im Verhältnis zu den übrigen raumumschließenden Bauteilen nur einen kleinen Anteil bildet und zudem einen deutlich schlechteren Wärmedämmwert aufweist. Ganz typische Wärmebrücken sind z.B. Betonbauteile aufgrund schlechter Dämmwerte oder Außenecken aufgrund ihrer Geometrie, da sie auf der Außenseite mehr Angriffsfläche liefern und somit stärker auskühlen als die gerade Wandfläche. Nutzungsbedingte Faktoren sind in erster Linie ein nicht ausreichendes Lüftungsverhalten. Ferner ist es ein mangelndes Heizverhalten, wobei diese beiden Faktoren in einem keinesfalls zu vernachlässigenden Zusammenhang stehen. Erwähnt sei auch noch die sogenannte hygroskopische Feuchte. Sie ist in Wohnräumen zwar seltener anzutreffen, man sollte deren Existenz jedoch immer im Hinterkopf haben, um teure und unsinnige Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden. Für hygroskopische Feuchte verantwortlich sind in erster Linie im Mauerwerk enthaltene Salze, die die Eigenschaft haben, die Feuchtigkeit aus der Luft „aufzusaugen“(Feuchteabsorption).
Die Extremfälle sind in der Regel nach reiner Inaugenscheinnahme zu erkennen. Nicht selten jedoch unterliegt eine Beurteilung einem breiten Ermessensspielraum. Dies vorwiegend bedingt dadurch, dass Bewohner einer mit Schimmel befallenen Wohnung oftmals nicht gestehen wollen, zu wenig zu lüften oder zu wenig zu heizen, wobei gerade hier die aufrichtige Mithilfe des Bewohners gefordert ist, um das Problem wirkungsvoll zu bekämpfen.
Ziel einer zu treffenden Gegenmaßnahme muss es sein, das Entstehen von Feuchtigkeit auf oder in einem Bauteil zu verhindern. Ist bereits ein Feuchtigkeitsschaden vorhanden, muss beurteilt werden, ob hier Feuchtigkeit von außen eindringt oder ob es sich hierbei um einen rein bauphysikalischen Schaden handelt. Dringt Feuchtigkeit von außen ins Bauwerk ein, muss die Schadensursache gefunden und repariert werden. Dies ist allerdings die Ausnahme; in der Regel sind bauphysikalische Umstände bei solchen Schadensbildern verantwortlich. Setzt sich die Feuchtigkeit von innen an den Bauteiloberflächen ab, schafft in der Regel schon ein geändertes Lüftungs- und Heizverhalten Abhilfe.
Die Raumluft hat eine natürliche Luftfeuchte aus Wasserdampf. Diese Luftfeuchte wird in Prozent gemessen. Eine für uns behagliche relative Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40 und 60%, wobei 60% im Wohnraum als absolute Obergrenze nicht überschritten werden sollte, um Feuchtigkeits- bzw. Schimmelschäden zu vermeiden. 0% bedeutet, dass die Luft keine Feuchtigkeit enthält, 100% dagegen bedeutet, dass die Luft keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann, sie ist dann „gesättigt“. Wann die Luft gesättigt ist, hängt von der Lufttemperatur ab. Darum spricht man auch von „relativer“ Luftfeuchtigkeit. Bei 20° C kann die Luft maximal 17,3 g Wasser pro m³ Luft aufnehmen. Bei 10° C hingegen kann die Luft nur noch 9,4 g/m³, also rund die Hälfte aufnehmen. Zu jeder Temperatur in Verbindung mit ihrem Feuchtegehalt gibt es einen Taupunkt, bei dem sich der Wasserdampf wieder zu Wasser verwandelt. Der Taupunkt liegt immer unter der eigentlichen Lufttemperatur. Den Extremfall hierfür kennen wir z.B. nach einem heißen Duschbad aus dem Badezimmer, wenn der Spiegel beschlägt. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, je höher und somit näher an der Zimmertemperatur ist der Taupunkt. Einerseits ist es wichtig, die Zimmertemperatur möglichst hochzuhalten, damit von der Raumluft möglichst viel Feuchtigkeit aufgenommen werden kann und das alle raumbegrenzenden Bauteile eine möglichst hohe Oberflächentemperatur haben. Andererseits und wesentlich bedeutsamer ist jedoch, dass die vorhandene Raumluft ausgetauscht wird. Die warme Luft transportiert hierbei den Wasserdampf nach draußen (z.B. im Winter auf der Außenseite des geöffneten Fensters zu beobachten, wenn es durch die vorbeiströmende warme Luft beschlägt) und tauscht sich mit kühlerer Luft aus. Die kühlere Luft enthält weniger Feuchtigkeit und kann somit beim Erwärmen wieder Feuchtigkeit aus dem Raum aufnehmen.
Hierzu folgendes Beispiel:
Ein Raum mit einer Außenwand, dessen U-Wert bei ca. 1,5 W/m²·k liegt. Der U-Wert oder auch Wärmedurchgangskoeffizient genannt, ist eine Zahl, die den Wärmeverlust an dem damit bezeichneten Bauteil beschreibt. Je niedriger der U-Wert ist, je besser ist das betreffende Bauteil „gedämmt“. 1,5 W/m²·k ist für eine Außenwand ein sehr schlechter Wert, im Altbaubestand jedoch keine Seltenheit. Diese Außenwand hat ein sogenanntes Thermopen Fenster bzw. eine Isolierverglasung aus den 80er Jahren. Dieses Fenster weist einen für dieses Baujahr typischen U-Wert von 3,0 W/m²·k auf. Über dem Fenster wird das Mauerwerk von einem ungedämmten Betonsturz getragen, wie es z.B. in den 60er Jahren gerne ausgeführt wurde. Dieser Betonsturz weist einen U-Wert von 3,5 W/m²·k auf.
Unser Raum hat eine Lufttemperatur von 20°C mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50% (= 8,65 g Wasser pro m³) Der Taupunkt für den in der Luft enthaltenen Wasserdampf liegt für diese Werte bei 9,3°C. Aufgrund etwas komplizierterer physikalischer Zusammenhänge sollte man im Wohnraumbereich auf den Taupunkt ca. 5°C aufschlagen und dann von einem kritischen Bereich sprechen. Dies hängt im wesentlichen damit zusammen, dass die Temperatur stehender Luft direkt an den kühleren Bauteilen im Vergleich zur Raumtemperatur abfällt und der Wert der relativen Luftfeuchtigkeit damit automatisch steigt. Konsequenz dessen ist, dass jetzt eine höhere Oberflächentemperatur ausreichend ist, um den Wasserdampf kondensieren zu lassen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass eine Vielzahl von Schimmelsporen schon bei einer relativen Luftfeuchtigkeit ab 70% keimen, ohne überhaupt direkt mit Feuchtigkeit in Verbindung zu kommen. Um den Umfang dieses Artikels nicht zu sprengen, beschränken wir uns rein darauf, von einem kritischen Bereich zu sprechen. Dieser sogenannte kritische Bereich sollten hier als zu vermeidende „Schutzzone“ verstanden werden, in der aber noch nicht zwingend mit Feuchtigkeitsproblemen bzw. Schimmelbildungen zu rechnen ist.
Unsere Außenwand hat bei einer angenommenen Außentemperatur von –5°C auf der Innenseite eine Oberflächentemperatur von 15,13°C. Der Taupunkt liegt bei 9,3°C. Den kritischen Bereich definieren wir bis 9,3°C + 5°C, also bis 14,3°C. So ist mit der Oberflächentemperatur von 15,1°C selbst auf einer so schlecht gedämmten Wand keine Feuchtigkeitsbildung bzw. Schimmelbildung zu befürchten.
Unser Fenster weist eine Oberflächentemperatur von 10,3°C auf. Wir liegen hier zwar deutlich im kritischen Bereich, jedoch ist selbst hier der Taupunkt noch nicht erreicht.
Der Betonsturz hingegen hat eine Oberflächentemperatur von 8,6°C. Hier wird sich ganz sicher Wasser absetzen. Der Betonsturz ist ein Paradebeispiel für eine Wärmebrücke. Eine solch extreme Wärmebrücke ist durch ein zumutbares Nutzungsverhalten kaum in den Griff zu bekommen.
Fällt jetzt die Temperatur auf 15°C ab, ohne das die im Raum enthaltene Luftfeuchtigkeit durch lüften heraustransportiert wurde, hat die Raumluft bei nach wie vor 8,65 g Wasser pro m³ jetzt eine relative Luftfeuchtigkeit von 67 %. Der Taupunkt liegt dann bei 8,9°C. Den Betonsturz wollen wir als baulichen Mangel für diese Rechnung vernachlässigen.
Die Oberflächentemperatur der Außenwand sinkt auf 11,1°C. Es fällt noch immer kein Tauwasser an, aber die Wand rutscht somit schon in den kritischen Bereich.
Die Oberflächentemperatur des Fensters fällt auf 7,2°C. Jetzt schlägt sich auf dem Fenster Wasser nieder. Dies ist ein deutliches Warnsignal zum Lüften, dass keinesfalls missachtet werden sollte. Wird dieses Fenster gegen ein neues getauscht, entsteht ein weiteres Problem. Ein heutzutage handelsübliches Fenster hat einen U-Wert von 1,1 W/m²·k, so dass die Oberflächentemperatur mit 14,7°C über der des Mauerwerkes liegt. Das noch relativ harmlose Warnsignal des beschlagenen Fensters bleibt aus und die Feuchtigkeit wird sich wahrscheinlich unbemerkt direkt auf der Wand absetzen. Selbst wenn sie rechtzeitig bemerkt wird, kann sie hier in der Regel nicht einfach so wie auf einer Fensterscheibe weggewischt werden. Zudem steigt die Gefahr der Feuchtigkeitsbildung auf der Wand dadurch, dass sich die relative Luftfeuchtigkeit nicht mehr an der Fensterscheibe abbauen kann und eine evtl. Zwangsbelüftung durch mangelhafte Fensterdichtungen ausbleibt.
Andersherum, wenn sich die relative Luftfeuchtigkeit des 20°C warmen Raumes auf 60% (10,38 g pro m³) erhöht, liegt der Taupunkt bei 12°C. Bei einer Oberflächentemperatur des Fensters von 10,3°C ist hier Kondenswasser garantiert, obwohl der Raum gut beheizt ist. Nur zur Verdeutlichung: auch wenn es physikalisch unter normalen Umständen gar nicht möglich wäre, treffen wir die theoretische Annahme, dass wir die Raumluft auf einen Schlag gegen die –5°C kalte Außenluft mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70% (3,25 g pro m³) austauschen würden. Die Feuchtigkeit der warmen Raumluft wurde hierbei mit nach draußen transportiert. Wenn sich die Raumluft jetzt wieder auf 20°C erwärmt, hätte sie mit den 3,25 g pro m³ Wasserdampf nur noch eine relative Luftfeuchtigkeit von knapp 19% und damit verbunden einen Taupunkt von - 4,1°C. Jetzt müsste die Fensteroberfläche um rund 15° abkühlen, damit sich hier Wasser absetzen könnte. Selbst der Betonsturz, den wir schon als deutliche Wärmebrücke ausgemacht haben, würde bei diesen klimatischen Bedingungen trocken bleiben. Damit versuchen wir zu veranschaulichen, welch großen Einfluss das Lüften hat und dass dies der Hauptfaktor zur Vermeidung von Feuchtigkeitsbildung ist.
Wenn unser Raum 20 m² groß ist, umschließt er ca. 50 m³ Luft. Bei einer Lufttemperatur von 20°C mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50% (= 8,65 g Wasser pro m³) enthält die Luft 432,5 g Wasser. Das ist immerhin fast ein halber Liter. Zusätzlich produzierte Feuchtigkeit muss über Luftaustausch abgeführt werden. Wie viel Feuchtigkeit in einem Raum produziert wird, ist sehr individuell von den einzelnen Bewohnern abhängig. Ein paar Beispiele haben wir hier zusammengestellt:
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Topfpflanze, mittelgroß
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15 Gramm pro Stunde
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Mensch, ruhend
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45 Gramm pro Stunde
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Mensch, leichte Tätigkeit
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90 Gramm pro Stunde
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Wäsche, geschleudert
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300 Gramm pro Stunde
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Wäsche, tropfnass
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500 Gramm pro Stunde
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Duschbad
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2400 Gramm pro Stunde
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Für den manuellen Luftaustausch ist grundsätzlich die Stoßlüftung, wenn möglich in Verbindung mit Querlüftung (Durchzug) zu empfehlen. Ein solcher Lüftungsintervall sollte ca. 15 Minuten dauern und wenigstens einmal am Tag (morgens) durchgeführt werden. Ein größerer Verlust an Heizenergie ist hierbei nicht zu befürchten. Die kalte Außenluft wird sich in etwa derselben Zeit über die wärmespeichernden Wände auf die vorherige Raumtemperatur aufheizen. Hinzu kommt, dass für eine höhere relative Luftfeuchtigkeit mehr Heizenergie benötigt wird um die Raumluft auf die gewünschte Temperatur zu bringen bzw. zu halten. Wenn wir z.B. unsere vorhandene Raumtemperatur von 20°C halten wollen und die relative Luftfeuchtigkeit im Raum aber von 50% auf 70% gestiegen ist, bedeutet dies ca. 25% höhere Heizkosten. Das ist ganz unabhängig von der vorhandenen Bausubstanz. Ständige Kipplüftung ist natürlich auch eine Art zu lüften. Diese Variante ist aber nicht so wirkungsvoll und kann in Einzelfällen auch Feuchtigkeitsschäden verursachen, wenn der warme Luftstrom an der völlig ausgekühlten Fensterlaibung kondensiert. Bei dieser Art zu lüften geht außerdem eine Menge Heizenergie verloren. Der Luftaustausch kann selbstverständlich auch völlig automatisch über eine Lüftungsanlage geregelt werden.
Zusätzlich ist für ein gesundes Wohnklima eine angemessene Zimmertemperatur (ca. 20°C) zu empfehlen. Diese Temperatur sollte möglichst konstant in der gesamten Wohnung gehalten werden. Es ist ohnehin günstiger, eine Heizungsanlage konstant durchzufahren, anstatt sie täglich gegen immer wieder auskühlende Wände völlig hochfahren zu müssen (wie beim Anfahren und Anhalten in der Autoschlange). Wenn eine Wohnung nur Phasenweise beheizt wird, bewegen sich zudem die Oberflächentemperaturen der Wände schnell im kritischen Bereich und dies führt wiederum zur Kondensation. Türen zu evtl. deutlich kühleren Räumen sollten geschlossen gehalten werden. Türen sind ebenfalls dort geschlossen zu halten, wo sich viel Dampf (Küche/Bad) gebildet hat, um die Feuchtigkeit nicht in die Wohnung zu entlüften.
Ein wirksames Hilfsmittel ist natürlich auch die nachträgliche Dämmung der Außenbauteile, wobei eine solche Maßnahme keinesfalls Kondensationsschäden ausschließt. Oftmals werden die Problemzonen mit unvollständigen und nicht durchdachten Dämmmaßnahmen nur verschoben. Selbst im Neubaubereich, wo großzügig dimensionierte Dämmungen durch verbindliche Regelwerke garantiert sind, kommt es durch das Bestreben, ein Gebäude zugdicht zu konstruieren, immer öfter zu Schimmelschäden. Also kann auch hier nur zu einem angemessenen Lüftungsverhalten geraten werden. Außenwände (vor allem schlecht gedämmte) sollten jedoch immer freigehalten werden. Schränke, Betten, Sofas etc. sollten grundsätzlich mindestens 10 cm von den Außenwänden abgerückt stehen, damit eine Zirkulation der Raumluft auch an diesen Stellen möglich ist.
Innendämmungen und Antischimmelfarben sind nur beschränkt bzw. gar nicht zu empfehlen. Wirksame Antischimmelfarben sind uns nicht bekannt und außerdem gesundheitlich nicht immer ganz unbedenklich. Innendämmungen retuschieren in der Praxis oftmals nur das Problem. Abgesehen davon, dass eine Innendämmung kein optimales Raumklima liefert, weil sie die vorhandene Wärme nicht speichern kann, muss man bei üblichen Konstruktionen mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass sich weiterhin, wenn nicht sogar verstärkt Schimmel an der Wandoberfläche direkt hinter der Innendämmung bildet. In diesem Fall ist es dann sehr wahrscheinlich, dass sich die Schimmelsporen auch weiterhin in der Raumluft verteilen. Mehr Erfolg versprechen sogenannte Klimaplatten. Klimaplatten werden ebenfalls von innen aufgebracht. Sie bestehen vorwiegend aus Kalziumsilikat und haben die Aufgabe Feuchtigkeit aus der Raumluft zu speichern und bei Bedarf wieder an die Raumluft abzugeben. Schimmel kann sich auf Kalziumsilikat nicht bilden, da es keinen Nährboden bietet und nebenbei haben die Platten auch noch eine wärmedämmende Wirkung. Kalkputze unbehandelt oder direkt mit Kalkfarbe bearbeitet bieten dem Schimmel ebenfalls keinen Nährboden.
Wird eine feuchte Stelle vorgefunden sollte sie auf jeden Fall getrocknet werden (auf dem Fenster mit einem Lappen, auf der Wand mit einem Fön, etc.). Wenn bereits solche Feuchtigkeitsprobleme existieren, sollte der Raumluft möglichst wenig Möglichkeit gegeben werden, sich an Feuchtigkeitsquellen unnötig anzureichern (Topfpflanzen, Aquarien, gefüllte abgestellte Gießkannen, etc.).
Für die Beseitigung von Schimmelpilzen sollten getrocknete Stellen erst einmal abgebürstet werden. Sind sie bereits abgebürstet oder noch feucht, sollten die betroffenen Stellen mit reinem Alkohol (medizinischen Alkohol ca. 80% aus der Apotheke oder Spiritus) abgewaschen werden. Bei stärkerem Schimmelaufkommen oder vor größeren Schimmelsanierungsmaßnahmen sollten die betroffenen Flächen durch einen Fachmann mit Chlor gründlich gereinigt werden. Sitzt der Schimmel sehr tief oder lässt er sich nicht entfernen (Tapeten, Dämmung, Putz, etc.) sollte das befallene Material ausgetauscht werden. Befallene Holzbauteile, insbesondere statisch relevante, sollten dringend der Prüfung eines Fachmanns unterzogen werden und gegebenenfalls ausgewechselt werden.
Ein effektives und preiswertes Instrument zur Kontrolle des Wohnraumklimas ist das bei Haus & Grund erhältliche Messgerät Klimatherm DTH-10-S. Es zeigt die Wohnraumtemperatur sowie die relative Luftfeuchtigkeit an und gibt ein Alarmsignal, sobald sich diese Daten im kritischen Bereich bewegen. Kostenpunkt des Gerätes exklusiv für unsere Haus & Grund Mitglieder: 20.- € |