Legionellen – die geschätzte Gefahr aus der Wasserleitung
Wie kann man sich schützen?
Viele Hauseigentümer gehen davon aus, dass das Wasser aus ihren Duschen und Wasserhähnen keimfrei und sauber, da es ja vom Wasserversorger bis zur Übergabestelle „angeliefert“ wurde. Tatsache ist jedoch, dass sich die Qualität des Wassers gerade innerhalb der Hausinstallation erheblich verschlechtern kann.
Warmwasser bevorzugt
Die Legionellen, die in geringer Zahl auch in unseren Breiten in praktisch jedem Gewässer vorkommen, fühlen sich leider in Wasserleitungen und Tanks sehr wohl. In Warmwasserreservoirs, nicht nur in Hotels, Krankenhäusern oder Schwimmbädern, sondern auch in unseren Wohnungen und Häusern finden die gefährlichen Bakterien oft optimale Wachstumsbedingungen. Am wohlsten fühlen sie sich bis zu einer Wassertemperatur von etwa 60 Grad Celsius. Dabei konzentrieren sich die Bakterien in einem sog. Biofilm, einer nährstoff- und mikrobenreichen Schicht, die sich auf den Oberflächen der Leitungen und Tanks legt. Mit dem Wasser gelangen sie dann in die Badezimmer, mit dem Wasserdampf oft aus den Duschen in die Luft und schließlich in die Lunge. Dabei besteht normalerweise keine Gefahr, es sei denn, die Legionellen treten in hoher Zahl auf und das Immunsystem ist geschwächt. Der über die Energieeinsparverordnung programmierte Warmwasserniedrigtemperaturbereich ist somit in Bezug auf das Wachstum von Legionellen kontraproduktiv.
Was sind Legionellen und wie gefährlich sind sie tatsächlich?
Legionellen sind bewegliche Stäbchenbakterien. Sie kommen in zahlreichen Arten und Serogruppen weltweit verbreitet in Oberflächengewässern und auch im Boden vor.
Treten sie in erhöhter Konzentration auf, können sie zu der lebensgefährlichen Legionärskrankheit führen, an der in Deutschland nach Aussage des Robert Koch Instituts Berlin jährlich ca. bis zu 10.000 Menschen erkranken. Eine Infektion mit Legionellen erfolgt durch das Einatmen von legionellhaltigen Aerosolen (kleinste in der Luft verteilte Wassertröpfchen), die beim Duschen etc. gebildet werden. Erkrankungen an der Legionärskrankheit werden oftmals mit grippalen Infekten verwechselt und dadurch zu spät erkannt. Dies führt dazu, dass sich die Legionellen im Lungengewebe explosionsartig vermehren können und schließlich eine schwere bakterielle Lungenentzündung auslösen, die unter Umständen auch tödlich verlaufen kann. Dabei sind ältere Menschen und chronisch Kranke besonders stark gefährdet.
Wie kann ich mich schützen?
Es gibt verschiedene Methoden, wobei ein hundertprozentiger Schutz, so der derzeitige Erkenntnisstand, aber noch immer problematisch ist.
Hitzeentkeimung
Es ist wichtig, die Zahl der Legionellen so gering wie möglich zu halten. Das "traditionelle" Verfahren der Hitzeentkeimung ist auf den ersten Blick simpel, bei größeren Installationen aber oft auch sehr aufwändig. Das gesamte Leitungssystem muß nach diesem Verfahren regelmäßig mehr als 30 Minuten lang mit über 70° Celsius warmen Wasser durchspült werden. Mit der sog. Hitzeentkeimung wird das gesamte System von Bakterien befreit, allerdings nur kurzfristig. Die Entkeimung muss regelmäßig alle zwei bis drei Wochen wiederholt werden.
Neuere Heizungsanlagen mit Warmwasseraufbereitungssystemen verfügen häufig schon über entsprechende Programme, die automatisch in diesem Zeitraum durchgeführt werden.
Kupfer-Silber-Ionisierung
Hier wird mit einer Elektrolyseeinheit das Wasser in geringen Mengen mit Kupfer- und Silberionen versetzt, die für die Legionellen, nicht aber für den Menschen schädlich sind. Die Elektrolysezellen müssen regelmässig entkalkt und überprüft werden. Bei einer zu hohen Konzentration der Ionen ist sonst eine Verfärbung des Wassers sowie der Sanitärkeramik denkbar.
UV-Strahlung
Für kleine Leitungssysteme ist auch die Behandlung des Wassers mit UV-Strahlen realisierbar. Die UV-Strahlen schädigen das Erbgut der Legionellen. Auch bei solchen Geräten ist eine regelmäßige Wartung ein Muß.
Hyperchlorierung
Auch eine funktionierende Methode, um die lästigen und gefährlichen Bakterien loszuwerden. Allerdings hat dieses Verfahren einen entscheidenden Nachteil und das sind die Folgekosten. Da die Legionellen relativ unempfindlich auf Chlor reagieren, muss man den Chlor relativ hoch dosieren, das führt zu einer starken Korrosion an den Rohren. Außerdem steigt durch eine hohe Chlorierung die Gefahr der Bildung von unerwünschten, krebserregenden Stoffen in Folge der Korrosion. Also eine nicht unbedingt zu empfehlende Methode.
Doppelt hält besser
Wer auf Nummer sicher gehen will, der sollte zwei der geschilderten Verfahren kombiniert anwenden. Doch, wie gesagt, ein gewisses Restrisiko bleibt. |