Heizen mit Holz
Holzpellets - Ein Brennstoff mit Zukunft
Holzpellets - kleine zylindrische Presslinge aus Hobel- und Sägespänen - sind mehr als eine nachhaltige Alternative zu fossilen Energieträgern. Der rasante Preisanstieg von Heizöl und Erdgas hat den Brennstoffmarkt in Unruhe versetzt und Pelletheizungen zu einer durchaus auch wirtschaftlichen Variante mit dem besonderen Kennzeichen "CO2-neutral ohne Komfortverlust" werden lassen.
Holz ist gespeicherte Sonnenenergie und zudem zu jeder Zeit verfügbar. Eine Eigenschaft, die dem Energieträger Holz als nachwachsendem Rohstoff eine wichtige Funktion beim Ausbau einer nachhaltigen Energieversorgung zukommen lässt. Seit Holzpellets in Deutschland als Brennstoff zugelassen sind, werden die kleinen Presslinge immer mehr zu einer Alternative im Heizungskeller und einer echten Konkurrenz zu Heizöl und Erdgas.
Holzpellet-Heizsysteme
Pelletheizungen werden überwiegend in Leistungsbereichen bis 50 kW eingesetzt. Pelletheizkessel können zur Einzelraumbeheizung oder als Zentralheizung genutzt werden und sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Generell entsprechen die derzeit erhältlichen Pelletheizsysteme einem hohen technischen Standard, der einen sehr komfortablen und emissionsarmen Betrieb ermöglicht. Die Anlage sollte genau auf den Wärmebedarf des Gebäudes abgestimmt sein. Für moderne Einfamilienhäuser sind gewöhnlich Anlagengrößen von etwa 15 kW ausreichend. Für alle Pelletheizsysteme gilt, dass eine vollständige und saubere Verbrennung mit einem sehr hohen Wirkungsgrad auch im Teillastbetrieb gewährleistet ist. Sämtliche Anforderungen an die Emissionsgrenzwerte für Holzheizungen werden eingehalten.
Pellet-Einzelöfen
Pellet-Einzelöfen (freistehend oder als Kamineinsatz) werden häufig im Wohnbereich zur Einzelraumbeheizung eingesetzt. Die sichtbare Flamme bei der Holzverbrennung bietet für viele zusätzlichen Wohnkomfort. Mit dem Betrieb des Pellet-Einzelofens ist prinzipiell auch die Einbindung in das Zentralheizungssystem möglich. Voraussetzung dafür ist ein integrierter Wärmetauscher, der an den Heizkreis angeschlossen wird. Der Einzelofen im Wohnzimmer kann dann als zentraler Heizkessel für die gesamte Wärmeversorgung eingesetzt werden. Aufgrund der Wärmeabstrahlung des Einzelofens in den Wohnraum ist dagegen der Betrieb in den Sommermonaten problematisch. In diesem Fall ist die Kombination mit einer solar-thermischen Anlage sinnvoll.
Pellet-Zentralheizung
Mit Pellet-Zentralheizungsanlagen können Gebäude ganzjährig und effizient mit Wärme versorgt werden. Die Anlagen werden vollautomatisch geregelt. Die Zündung der Pellets erfolgt elektronisch. Die Versorgung des Kessels mit Pellets erfolgt ebenfalls vollautomatisch über eine Förderschnecke. Allerdings muss regelmäßig der Ascheauffangkasten entleert werden.
Neben den ökologischen Vorteilen hält die Installation und der Betrieb dieser Heizsysteme einem Vergleich mit dem Einsatz einer modernen Ölzentralheizung jederzeit stand. Die Investition in eine Pellet-Zentralheizungsanlage wird im Wesentlichen von den drei Komponenten Pelletlager, Austragungssystem und Pelletkessel bestimmt.
Kombination "Holzpellets und Solarenergie"
Eine Kombination des Pelletkessels mit einem Warmwasserspeicher ist sinnvoll. Dieses reduziert die Anzahl der Brennerstarts und vermindert einen Teillastbetrieb. Eine optimale Ergänzung stellt die thermische Solaranlage dar. Im Sommer und in den Übergangszeiten wird der Brauchwarmwasserbedarf mittels direkter Sonneneinstrahlung gedeckt. Damit kann verhindert werden, dass die Pellet-Zentralheizung außerhalb der Heizperiode in Betrieb genommen werden muss.
Modellprojekt der Bremer Energie-Konsens
Um den Einsatz von Holzpellets als Brennstoff bekannter zu machen, hat die Bremer Energie-Konsens die beispielgebende Solar-Holzpellet-Heizanlage des Landschaftspflegehofs Bavendamm gefördert. Sowohl das Wohnhaus als auch der öffentliche Ausstellungsbereich werden mit der Pellet-Heizung versorgt. Außerdem wird der Warmwasserbedarf des Wohnhauses ebenfalls mit dieser Anlage gedeckt. Eine Infotafel zum Heiz-Prinzip, Exkursionen für Verbraucher und Fachleute sorgen für den Wissenstransfer. Zudem wird der Verbrauch an Holzpellets dokumentiert und die Erfahrungen mit der Anlage und der Handhabung festgehalten.
Fragen und Antworten zur Beheizung mit Holzpellets:
Was sind Holzpellets?
Holzpellets sind zylinderförmige Stäbchen aus gepresstem Restholz. Die Pellets werden aus unbehandeltem, also natürlichem Sägemehl oder Spänen hergestellt, die bei der heimischen Land- und Forstwirtschaft sowie in der holzverarbeitenden Industrie anfallen.
Wie funktioniert die Holzpelletsheizung?
Im Grunde wie eine gewöhnliche Zentralheizung. Nur, dass hier kein Öl oder Gas verbrannt wird, sondern eben Holzpellets, die vollautomatisch per Förderschnecke oder Saugvorrichtung dem Brenner zugeführt werden.
Wie funktioniert die Lagerung?
Die Pellets werden per Tankwagen angeliefert und in den Lagerraum eingeblasen: keine Erschliessungskosten wie bei der Hausanbindung ans Gasnetz, kein Ölgeruch, sondern es riecht angenehm nach frischem Holz!
Welche Möglichkeiten der Lagerung gibt es?
Pellets-Lagerräume mit Schrägböden lassen sich in fast allen Kellerräumen nachträglich einbauen. Oft werden sie an der Stelle errichtet, wo vorher die Öltanks standen. Beim Neubau eines Hauses lässt sich der Lagerraum natürlich gleich optimal planen. Gibt es keine Möglichkeit die Pellets im Haus zu lagern, kann man auch auf ein Erdlager oder die Aufstellung eines Sacksilos im Außenbereich ausweichen. Seit neuestem gibt es auch sogenannte Gewebetanks . Lagersysteme für Dachböden gibt es ebenfalls.
Pro kW Heizlast benötigt man 0,9 m³ Lagerraum. Man muss also die benötigte kW Heizlast eines Hauses mit 0,9 multiplizieren und durch die Lagerraumhöhe dividieren, so erhält man die Lagerfläche. Beispiel: Haus hat eine Heizlast von 12 kW und die Lagerraumhöhe beträgt 2,50 m. Berechnung: (12 x 0,9 : 2,5) = 4,30 qm Lagerfläche
An welcher Stelle sollte der Lagerraum sein?
Die Pellets werden mittels Tankwagen angeliefert. Diese Tankwagen verfügen über einen Pumpschlauch mit max. 30m Länge. Die Befüllkupplung sollte daher nicht mehr als 30m von der Hauszufahrt entfernt sein.
Wenn möglich, sollte der Lagerraum an eine Außenmauer angrenzen, da der Befüllstutzen von außen zugänglich sein sollte. Im Tankraum muss eine Entlüftungsmöglichkeit vorgesehen sein. Bei innenliegendem Lagerraum müssen Befüllrohr und Entlüftungsrohr bis an die Außenmauer geführt werden.
Der Heizraum sollte ebenfalls an eine Außenmauer angrenzen, weil dadurch eine direkte Be- und Entlüftung des Heizraums möglich ist. Bei innenliegendem Heizraum muss ein Lüftungsrohr (mind. 200 cm2) bis an die Außenmauer geführt werden.
Wie sieht es mit der CO2-Bilanz aus?
Holzpellets sind umweltschonend. Bei ihrer Verbrennung entsteht nur soviel CO2,wie vorher durch natürliches Wachstum gebunden wurde.
Woran erkenne ich qualitativ gute Pellets?
a) je glänzender und glatter die Pelletsoberfläche, desto besser
b) je weniger Längs- und Querrisse die Oberfläche aufweist, desto besser
c) je geringer der Staubanteil der Pelletslieferung, desto besser
d) je einheitlicher die Stückgröße der Pellets, desto besser
Tipp: Geben Sie einige Pellets in ein Glas Wasser. Sie werden sehen, dass sie auf den Glasboden absinken. Ganz gleich, welche Qualität sie haben. Wichtig ist jedoch, dass das Wasser nicht verfärbt bleibt, sondern wieder klar wird. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Pellets eine gute Konsistenz haben.
Komfortabler Heizungsbetrieb, oder viel Handarbeit?
Pelletsheizungen bieten den gleichen Komfort wie eine konventionelle Öl- oder Gasheizung. Alles funktioniert vollautomatisch. Es muss weder Holz gehackt, noch nachgelegt werden. Allerdings muss regelmäßig der Aschekasten geleert werden.
Wie wirtschaftlich ist eine Holzpelletsheizung?
Eine aussagefähige Wirtschaftlichkeitsberechnung für eine Heizung ist genau genommen nicht möglich. Die Investitions- und Finanzierungskosten lassen sich natürlich leicht berechnen. Die Investitionsunterschiede kann man aus den Angeboten für das jeweilige Heizungs-System ersehen. Sie liegen je nach Ausführung bei 6.000-9.000 Euro abzüglich der Fördergelder.
Die „große Unbekannte“ in der Berechnungs-Formel sind die ständig wechselnden Öl- und Gaspreise. Welchen Preis soll man für die nächsten 15-20 Jahre ansetzen? Den Momentanen? Den Gestrigen? Den Zukünftigen? Der lässt sich zwar erahnen, aber nicht konkret benennen. Da aber eine Heizung in den nächsten 15-20 Jahren Betriebskosten verursacht, sind die Energiepreise hier gewichtiger als die Investitionspreise. Der Ölpreis liegt zur Zeit bei 40-45 Cent pro Liter inkl. 16% MwSt, der Gaspreis liegt 30-40% höher (inkl. der Bereitstellungsgebühr).
Der Pelletspreis liegt zur Zeit bei 15-18 Cent pro kg inkl. 7% MwSt. Dieser Preis ist seit 6 Jahren sehr stabil und schwankt nur regional und saisonal geringfügig. 2 kg Pellets entsprechen 1 Liter Heizöl, d.h. Pellets sind z.Zt. ca. 20-25% billiger.
Die Entwicklung der letzten 5 Jahre zeigt einen permanenten Preisanstieg bei Öl und Gas und es ist in den nächsten 10 Jahren eher von einem weiteren Anstieg auszugehen. Vor 20 Jahren kostete Öl ca. 20 Pfennig pro Liter, linear weitergerechnet würde das Öl damit in 20 Jahren 70-80 Cent kosten. Letztendlich muss jeder seine eigene Bewertung dieser Entwicklung machen.
Ist die Versorgungs-Sicherheit gewährleistet?
Allein in deutschen Wäldern wachsen jährlich über 60 Millionen Festmeter Holz nach. Wir nutzen hiervon nicht einmal 2/3. Das heißt, über 20 Millionen Festmeter Holz verrotten jährlich ungenutzt in Deutschland.
Gibt es eine staatliche Förderung?
Investitionen in eine Holzpelletsheizung werden vom Staat unterstützt: Vom Bund gibt es z. Zt. 1.700 Euro für den Einbau einer Holzpelletsheizung.
Weitere Informationen finden Sie in:
Test Holzpelletkessel in Stiftung Warentest, Testheft Nr. 8, August 2005, Seite 65 ff |