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Freitag, 10.09.2010
Aktuelles   Klartext   Wohnungsnot in Bremen?  

Wohnungsnot in Bremen?

      Der demographische Wandel, die Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die sich verändernden Wohnvorstellungen stellen auch Bremen vor neue Herausforderungen in Bezug auf die Ausrichtung einer zukunftsorientierten Stadtentwicklungspolitik.

 

Seit wenigen Tagen liegt nun die von der GEWOS aktualisierte Bevölkerungs- und Haushaltsprognose bis zum Jahre 2020 vor. Mitgewirkt haben viele Akteure der Wohnungswirtschaft. Für die differenzierte Analyse der zukünftigen Nachfragestrukturen wurde darüber hinaus auch eine repräsentative Befragung von 30.000 Bremer Haushalten durchgeführt.

 

Danach ergibt sich bis zum Jahre 2020 folgendes Bild: In Bremen, ohne Bremen Nord, ist ein, wenn auch abgeschwächtes Bevölkerungswachstum zu erwarten. Auch die Zahl der Haushalte wird aufgrund der weiterhin stattfindenden Haushaltsverkleinerungen weiter ansteigen.

 

Dies gilt nicht für Bremen Nord. Hier wird die Bevölkerungszahl laut GEWOS Gutachten sinken. Schon heute ist ein Angebotsüberhang gegeben.

 

Insgesamt wird ein Mindestneubaubedarf von rd. 15.000 Wohnungen bis 2020 gesehen. Aus der Befragung lässt sich ableiten, dass immer noch ein Trend zum Wohnen im klassischen Einfamilienhaus besteht. Zunehmend werden jedoch auch alternative Wohnformen in urbanen Gebäudetypologien nachgefragt. Es wird immer mehr Wert auf eine gute Infrastrukturversorgung in Wohnungsnähe gelegt.

 

Um den Neubaubedarf abzudecken müssen die Baulücken – immerhin mit einem Potential für rund 7.000 Wohneinheiten – genutzt werden. Dazu müssen die Möglichkeiten der Nachverdichtung in erschlossenen Stadtgebieten ausgeschöpft werden. Trotzdem reichen die Flächenpotentiale in den nachgefragten Stadtgebieten wohl nicht aus um den Gesamtbedarf zu decken. Nur Bremen Nord weist ein erhebliches Überangebot aus.

 

Aber Fakt ist: nicht für alle, die mit direktem Blick auf Rathaus und Roland wohnen möchten, wird sich dieser Wunsch realisieren lassen. Darüber hinaus ist es dringend geboten, auch die weniger attraktiven Gebiete nicht aus dem Focus zu verlieren. Hier muss nachgerüstet werden, um diese insbesondere für jüngere Familien wieder „spannend“ zu machen. Sonst kehrt sich vielleicht die vorgelegte Prognose ins Gegenteil. Wenn nämlich die Umlandgemeinden bessere Angebote als Bremen vorhalten und es nichts wird mit dem gewünschten Bevölkerungszuwachs.

 

Ein Fehler wäre es allerdings, nun aus der GEWOS Studie die Notwendigkeit für die Erschließung neuer großer Wohnungsbaugebiete abzuleiten. Für die Osterholzer Feldmark gibt es – das bestätigt die Studie – zumindest mittelfristig keinen Nachfragedruck, der eine teure Erschließung und die Zerstörung dieser wertvollen Kulturlandschaft zur Unzeit rechtfertigt.

 

Nehmen wir den Bausenator beim Wort, dass es nun zu einem Austausch zwischen „allen“ Akteuren der Wohnungswirtschaft auf Basis der Ergebnisse des vorliegenden Endberichtes kommen muss. Alle Akteure heißt dann aber auch Einbeziehung nicht nur der gewerblichen Wohnungswirtschaft und der Banken. An den runden Tisch gehören genauso Vertreter der Mieter und der privaten Haus & Grund-Eigentümer, die schließlich in Bremen den größten Teil des vorhandenen und zukünftigen Wohnungsbestandes ihr Eigen nennen. Dann brauchen wir keine Befürchtungen zu haben, dass es in Bremen in wenigen Jahren zu drastischen Wohnungsengpässen kommen wird.


richter


Ihr

Bernd Richter

Geschäftsführer Haus & Grund Landesverband Bremen e.V.