Bremen im demografischen Wandel
„Wir werden weniger, älter und bunter“ – so lautet die gegenwärtig wohl prominenteste Formel des demografischen Wandels.
Die Erhöhung des Durchschnittsalters, die Abnahme der Anzahl von Kindern im schulpflichtigen Alter und die Erhöhung des Anteils älterer Menschen, der zukünftige Rückgang der Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter, zunehmende Migration und Veränderungen in der sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung sowie ihre langfristige Schrumpfung führen zu Konsequenzen, die alle gesellschaftlichen Themenbereiche betreffen.
Angemessene Reaktionen in Politik und Gesellschaft auf die möglichen Folgewirkungen hängen entscheidend davon ab, welche Ausprägungen der demografische Wandel in Bremen, Bremerhaven und, runtergebrochen, den Stadtteilen annimmt.
Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll und notwendig, möglichst systematisch zu ergründen, wie sich die generelle Dynamik des „Weniger, Älter und Bunter“ innerhalb der zwei Städte Bremens in kleinräumige Trends und Einzelentwicklungen übersetzt.
Aus diesem Grunde hat der Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Kooperation mit dem Statistischen Landesamt Bremen, der Senatskanzlei und wissenschaftlich unterstützt durch das Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW) an der Universität Bremen eine Analyse des demografischen Wandels für die Stadt- und Ortsteile der Stadt Bremen zwischen 1984 und dem 1.1.2005 erarbeitet.
Die nun vorliegende Studie „Bremen im demografischen Wandel“ zeigt detailliert, dass und wie der demografische Wandel in Bremen angekommen ist.
Demografische Entwicklung – kein neues Thema
Seit Jahren wird über die demografische Entwicklung und ihre Folgen für die Volkswirtschaft regelmäßig diskutiert. Viel zu spät kommt die Einsicht, dass Reden alleine nicht genügt. Ein erster Schritt wurde nun in Bremen getan. Für den Zeitraum 1984 bis einschließlich 2004 liegt zunächst nur für die Stadt Bremen eine genaue Untersuchung vor. Diese berücksichtigt nicht nur die gesamtstädtische Entwicklung, sondern nimmt auch die Entwicklung in den einzelnen Stadtteilen genau unter die Lupe. Es handelt sich allerdings um eine zurückliegende Betrachtung. Der Blick in die Zukunft, welche Auswirkungen sind in den nächsten 20 Jahren zu erwarten, das wird die Aufgabe der Politik für die nächsten Monate sein.
Deutlich werden unterschiedliche Entwicklungen, die wohl nicht mehr umkehrbar sind, wenn es der Politik nicht gelingt, bald mit Gegensteuerungsmaßnahmen zu beginnen.
Die Bevölkerungszahl stagniert. Dies ist zur Zeit noch nicht besorgniserregend. Allerdings wird es in Zukunft großer Anstrengungen bedürfen, dass Bremerhaven nicht eines Tages unter die Grenze von 100.000 Bewohnerinnen und Bewohnern fällt. Auch Bremen muss einiges tun, um die Attraktivität als Wirtschafts- und Wohnstandort zu sichern.
Die Altersstruktur verändert sich in Teilen unserer zwei Städte schon heute gravierend. Die Babyboom-Generation der sechziger Jahre ist inzwischen im Alter zwischen 40 und 50. Diese geburtenstarke Altersgruppe wird in 15-25 Jahren dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Weniger Frauen im Alter zwischen 20 und 35 bedeutet auch bei einer Geburtenrate von derzeit nur noch 1,25 pro Frau einen Bevölkerungsrückgang.
Stadträumlich prägt sich der demografische Wandel bislang deutlich in 4 Entwicklungsphasen aus :
- jung, verjüngt und bunt (Einwohneraustausch), aber eher unterdurchschnittlich gewachsen, präsentieren sich in Bremen 33 Ortsteile, die schwerpunktmäßig beidseitig der „Entwicklungsachse Weser“ liegen oder Universitätsstandorte sind. Hierzu gehören u. a. Blumenthal, Gröpelingen, Walle, Findorff, Neustadt, Östliche Vorstadt, Hemelingen, Lehe und Grohn).
- alt, gealtert und homogen sowie geschrumpft oder mit zumindest unterschiedlicher Einwohnerentwicklung sind es 32 Ortsteile in Bremen, die sich räumlich um die innerstädtischen Lagen und die „Entwicklungsachse Weser“ gruppieren. Der Anteil kleinteiliger baulicher Strukturen (1- und 2-Familienhäuser) überwiegt. Hierzu gehören u.a. Bürgerpark, Schwachhausen, Grolland, Kattenesch, Farge, Rönnebeck, St. Magnus und Ellener Feld.
- durchschnittlich alt, aber gealtert und homogen sowie deutlich gewachsen zeigt sich die Gruppe von 10 über die Stadt verteilten Ortsteilen mit uneinheitlichen städtebaulichen Merkmalen. Es sind fast alles Ortsteile, die in der Vergangenheit gewachsen sind, aber gegenwärtig nur noch geringe Zuwanderungsgewinne verzeichnen. Hierzu gehören u. a. Weidedamm, Horn, Oberneuland, Mahndorf, Vegesack und Rekum.
- sehr jung, kaum gealtert und eher homogen sowie sehr stark gewachsen ist eine Gruppe von 3 Ortsteilen in Bremen. Es sind die Ortsteile, die sich in einer abschwächenden Boomphase befinden. Mit Borgfeld, Arsten und Seehausen (geringe Basis) handelt es sich um Teilräume der Stadt, die suburbane Qualitäten innerhalb der Stadtgrenzen bieten.
Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungstendenzen nun für die Wohnungswirtschaft und das private Haus- und Grundeigentum?
Von den rd. 353.000 Privathaushalten im Lande Bremen sind etwa 50% 1-Person-Haushalte. Der Anteil wächst derzeit noch. Haushalte mit nicht mehr als 2 Personen machen heute schon einen Anteil von rd. 80,4% aus (2005).
Der Anteil der Menschen im Rentenalter hat im Land Bremen im Zeitraum von 1984 bis 2005 um rd. 3% auf fast 20% zugenommen. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Hochbetagten (über 80 Jahre) im Lande Bremen um rd. 1,5%.
Diese Entwicklungstendenzen mit den unterschiedlichen Auswirkungen auf die jeweiligen Stadtteile werden sich verstärken. Sie wirken sich unmittelbar auf fast alle Bereiche des täglichen Lebens aus.
Weniger, älter und bunter, dazu noch eine zunehmende Altersarmut. Das alles wirkt sich auf die Immobiliennachfrage aus. In wenigen Jahren wird die Zahl der Haushalte nicht mehr steigen. Die Nachfrage nimmt ab. Die Ware Haus/Wohnung ist nur noch dort konkurrenzfähig, wo andere Anbieter nichts besseres anzubieten haben.
Nur gute Lagen und gute Qualitäten werden sich vom Preis her behaupten können. Angebot und Nachfrage, das ist nun mal das Prinzip unserer sozialen Marktwirtschaft, bestimmen sowohl die Kaufpreise als auch die Mieten.
Jede Immobilieneigentümerin / jeder Immobilieneigentümer ist gut beraten, die Zeichen der Zeit, die demografische Entwicklung bei den eigenen Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen. Nur eine gute Ware, dazu gehören auch niedrige Energieverbräuche, wird sich in 10 oder 20 Jahren auf dem Immobilienmarkt behaupten können und wertstabil bleiben.
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