Zeit der Völkerwanderung
Alle Jahre wieder im Frühjahr, wenn es draußen wärmer wird, begeben sie sich auf die Wanderschaft. Meist treibt sie die Lust auf Süßes: die Rede ist von Ameisen. Jeder kennt den Anblick einer langen Prozession eilig dahin laufender Ameisen, die von einem Spalt im Mauerwerk, Fensterrahmen oder Fußboden bis zum Butterkuchen auf dem Küchentisch führt. Hat eine Kundschafterin erst einmal eine Nahrungsquelle entdeckt, wird diese umgehend im Nest bekannt gemacht, und schon bald geht es zu wie beim Schlussverkauf. Die Ameisennester selbst, in denen die Königinnen leben, Eier legen und für die Vermehrung sorgen, befinden sich meist außerhalb des Hauses, gern unter Terrassenplatten - wo sie auch nicht gern gesehen sind, weil sie die Platten unterwühlen - oder im Rasen. Im Haus sind diese Ameisen zwar lästig, aber weitgehend harmlos.
Es gibt allerdings auch Ameisenarten, die ihre Nester im Holz bauen und sich auch im Haus in Holzbalken einnisten können. Diese Arten ernähren sich zwar nicht von Holz, schädigen es aber, indem sie darin ihre Nester anlegen. Befallen wird vor allem Holz, das feucht geworden ist. Holzzerstörende Ameisen in Gebäuden können zu einem ernsthaften Problem werden.
Für den Laien ist es nicht einfach zu entscheiden, ob es sich bei den Ameisen, die im Haus auftauchen, um Holzbewohner handelt oder nicht. Einen Hinweis darauf können Holzspäne geben, die beim Nestbau anfallen. Wer ganz sicher gehen will, lässt die Tiere von einem Fachmann bestimmen.
Am meisten Panik verbreiten Ameisen in der Schwärmphase. Dann erscheinen auf einmal hunderte geflügelter Ameisen vor dem Nest oder finden sich am Fenster ein, wenn sich das Nest im Haus befunden hat. Die Angst vor dieser Art von Invasion ist allerdings unbegründet, denn bei den geflügelten Tieren handelt es sich lediglich um frisch geschlüpfte Königinnen und Männchen. Diese Tiere wollen nur ihren Hochzeitsflug mit anschließender Paarung ausführen. Daher findet man sie meist am Fenster. Schäden sind von diesen Tieren nicht zu befürchten.
Ameisen lassen sich mit unterschiedlichsten Methoden vertreiben oder beseitigen. Insektensprays sollten der Gesundheit zuliebe nicht verwendet werden. In die Flucht schlagen sollen Düfte wie Zimt, Lavendel oder käufliche Duftstoff-Präparate, doch wirken diese Mittel nicht immer. Beseitigen lassen sich Ameisen mit Seifenlauge, Backpulver, heißem Wasser oder dem Staubsauger. Wichtig ist außerdem das Abdichten von Ritzen und Spalten, z. B. mit Silikon, und das sichere Verschließen möglicher Nahrungsquellen. Denn wo nichts zu holen ist, finden sich auch keine Ameisen ein.
Am einfachsten ist es, geflügelte Ameisen wieder loszuwerden. Hier reicht das Öffnen des Fensters aus, denn die Tiere wollen ganz einfach heraus. Alternativ kann auch der Staubsauger zum Einsatz kommen.
Holzzerstörende Ameisen lassen sich mit einfachen Hausmitteln allerdings kaum beseitigen. Hier muss meistens der Fachmann her.
Weitere Informationen zu Ameisen und anderen Schädlingen im Haus erhalten Sie Montags, Mittwochs und Donnerstags in der Zeit von 10:00 bis 16:00 Uhr beim Verein für Umwelt- und Arbeitsschutz e. V. (VUA), Faulenstr. 31, unter der Telefonnummer 70 22 03. Dort können Sie unbekannte "Untermieter" auch identifizieren lassen. Sie erhalten Auskunft über die Art der Tiere und über giftfreie Bekämpfungsmöglichkeiten.
Michael Ruhnau,
Dipl.-Biologe
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